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Themen, die beim Treffen am 14.04.2011 behandelt wurden

Im Mittelpunkt des Treffens stand die Auseinandersetzung mit dem Vortrag von Manfred Spitzer (DVD) mit dem Titel „Erfolgreich Lernen in Kindergarten und Schule“.

Hier einige relevanten Thesen des Referenten:

Zum Erlernen der Grammatik der Sprache:

Wir haben die Regeln der deutschen Grammatik im Kopf und können sie anwenden, allerdings nicht erklären. Wir können sie so gut anwenden, dass wir theoretisch sogar „falsch“ beugen können.

Das meiste, das wir gelernt haben, wissen wir nicht, aber wir können es.

Das bedeutet auch, dass wir neue Probleme lösen können. Z.B. wissen wir das Bruttosozialprodukt von Nigeria nicht mehr (haben es in einer Schulstunde mal gelernt), haben es vergessen, aber wir wissen, wo wir nachschauen können.

Das Wenigste, das wir in Mathe gelernt haben können wir wiedergeben, aber wir verstehen Grafiken in der Zeitung – können Kurven lesen. Das allgemeine Prinzip bleibt hängen.

Das Gehirn lernt immer, man kann es nicht daran hindern – es lernt aber nicht immer das, was wir wollen, dass es lernt... Die regelhaften Dinge werden herausgesaugt.

Kindern lernen von Anfang an – schon im Mutterleib, und also auch im Kindergarten.

Deshalb ist es völlig falsch, wenn es heißt, bei uns im KIGa wird nicht gelernt, sondern gespielt. Der KiGa soll nicht verschult werden, sondern den Kindern sollen ihrer Alterstufe gemäß Angebote gemacht werden. Welches Kind steht wann, wo, stellt wann welche Fragen? Entscheidend ist hier (wie ebenfalls immer später) die Beziehung.

Bei Erwachsenen ist letztlich egal, welche Methode oder Schule der Therapie sie wählen – Erfolg wird sich nur einstellen, wenn die Beziehung zwischen PatientIn und TherapeutIn stimmt!

Synapsen:

Um zu verstehen, wie Synapsen sich ändern, wenn sie benutzt werden, erzählt Manfred Spitzer ein Gleichnis.

Folgendes Bild:
Ein Park im Winter mit viel Pulverschnee. In einer Ecke eine Glühweinbude, in einer anderen Ecke ein WC – was entsteht? – Ein Trampelpfad zwischen Bude und WC („gebrauchsabhängige Spur“).

Wie bei den Synapsen – Hirn lernt Regeln (fast alles ist regelhaft).

Das Bild wird erweitert:
Die eine Glühweinbude sperrt dazu, daneben eröffnet eine Neue. Es entsteht keine ganz neue Spur, kein neuer Trampelpfad, sondern nur ein kleines Stück um die Ecke wird neu getrampelt, um den alten Pfad zu erreichen.

So geht es mit der Strukturierung des Gehirns. Das läuft automatisch.

Gute Erfahrungen: richtige Spuren
Schlechte Erfahrungen: falsche Spuren.

Diese Regelhaftigkeit ist auch bei folgendem Beispiel entscheidend: Baby und Rassel, die man ihm vors Gesicht hält und rasselt. Rassel und Bewegung gehören zusammen, es ist klar, woher das Geräusch kommt.

Problem Fernseher: Geräusch und Bewegung gehen nicht zusammen. Das ist fatal für Zweijährige! Die innere Strukturierung gerät durcheinander.

  • Fernsehkonsum im Alter zwischen 1 und 3 Jahren korreliert mit Aufmerksamkeitsdefizit im Alter von 7 Jahren!
  • Bildschirm im Vorschulalter ist prinzipiell verkehrt.
  • Fernsehkonsum zwischen 3 und 6 Jahren korreliert mit Lese-Rechtschreib- Problemen im Grundschulalter!
  • Außerdem: Fernsehkonsum im Vorschulalter korreliert mit Dickleibigkeit.
  • Fernsehkonsum im Grundschulalter (mit all den brutalen Szenen und Szenen in denen Gewalt überlegen ist), korreliert mit Gewalttätigkeit!

 Fazit Spitzer: "Fernsehen macht dumm, dick und gewalttätig.“

 Nach Schlafen ist eine Tätigkeit vor dem Bildschirm (also auch Computer) die zweithäufigste Tätigkeit von Kindern und Jugendlichen – noch vor der Schule.

Es ist also eine Frage der Dosis und der Effekt ist riesig!

 Langzeit-EKGs bei 11- und 15-jährigen zeigen, dass die Herzfrequenz ohne Bewegung nach oben geht, wenn sie emotional bewegt sind. Den ganzen Vormittag ist das nicht der Fall. Am Nachmittag geht die Herzfrequenz hoch, wenn sie vor den Bildschirmen sitzen. Als LehrerIn hat man gegen den multimedialen Nachmittag keine Chance!!! Da verwundert es auch nicht, dass immer mehr LehrerInnen krank werden.

 Spitzer nennt es ein besonderes Problem, dass Kinder in Deutschland nachmittags nicht in der Schule, sondern zu Hause vor den Bildschirmen sind.

 Nicht die Kinder werden zu Außenseitern, die keinen Fernseher haben, sondern die, die den meisten Konsum haben. Es müsse sich was ändern bzgl. dieses „vermüllenden Fersehkonsums“!

Lernen bei älteren Menschen:
Diese lernen zwar langsamer, aber sie können an alte Strukturen anhängen.
Junge Menschen müssen Synapsen ändern, ältere können anknüpfen. Diese Erkenntnis ist enorm wichtig in Bezug auf berufliche Fortbildung. Gleichmacherei (zwischen den Altersstufen) ist unsinnig.

Lernen und Angst – bzw. Lernen und Spaß:
Ein Test aus der Vor-Pisa-Zeit, der aufschlussreich ist:
Thema Matheaufgaben: In Amerika gab man SchülerInnen Arbeitsblätter zum Lösen => langweilig!
In Japan teilte man die Klasse: die eine Hälfte sollte sich jeweils Aufgaben für die andere Hälfte ausdenken => Spaß und hoher Lerneffekt.

Ergebnis: der beste amerikanische Schüler war bei weitem nicht so gut wie der schlechteste japanische Schüler. Übrigens betrug die japanische Klassenstärke um die 40 SchülerInnen...

Angst passiert im Mandelkern (weglaufen vor dem wilden Tier...).

Vieles wird unter Beteiligung des Mandelkerns gelernt (beim wilden Tier durchaus sinnvoll), aber Angst und Kreativität stoßen sich ab – unter Beteiligung des Mandelkerns ist keine Problemlösung möglich => Lernen muss Spaß machen!

Kompetenzen zu lernen ist unsinnig, das Gehirn erwirbt sie sowieso dauernd; deshalb ist auch Benimmunterricht unsinnig, man lernt Benimm ständig.
Leider ist aber auch Gewaltprävention überflüssig (z.B. 20 Min. in der Woche), wenn Gewalt (via Bildschirm) täglich fünf Stunden eingeübt wird...

Einsichten resultieren nicht im Lernen, sind aber ein guter Einstieg.

Fazit: Die Neurowissenschaft kann klare Antworten geben. 

Diskussion

In der sich anschließenden Diskussion  wurde u.a. die Frage aufgeworfen, ob nicht auch die Montessori-Schule ihre Zeitstruktur ändern müsste, nach dem, was wir in Bezug auf den Nachmittag der Kinder und Spitzers Forderungen daraus vernommen haben?

Zusammenfassung: Tanja Kemper

 
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