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Maria Montessori – Revolutionärin des Lehrens Die 1870 in Italien geborene Maria Montessori war eine Ärztin, Reformpädagogin, Philosophin und Philanthropin. Sie entwickelte die Montessoripädagogik, nach der heute weltweit unterrichtet wird. Ihr Mut und ihre zähe, intelligente Arbeit haben immer noch weitreichende Bedeutung für die Erziehungswissenschaften und ihr Werk wird weltweit in vielen Einrichtungen fortgesetzt. Maria Montessori entstammt einer gebildeten Familie. Ihr Vater arbeitete im Finanzministerium und leitete die staatliche Tabakmanufaktur. Mütterlicherseits ist sie mit Antonio Stoppani verwandt, einem Theologie- und Geologieprofessor. In seiner Theorie zur Verbindung von Theologie und Naturwissenschaften steckt der Grundgedanke, nach dem Montessori ihre kosmische Erziehung entwickelte und die Pädagogik vor allem im Bereich von Kindergarten und Schule revolutionierte. Am 31.8.1870 wird Maria Montessori in Chiara valle (Italien) als einzige Tochter bürgerlicher Eltern geboren. Sie übersiedelt mit ihren Eltern nach Rom, wo sie von 1876 bis 1890 Volks- und höhere Schulen besucht. 1890 beginnt sie Mathematik und Naturwissenschaften zu studieren und erreicht nach hartnäckigem Kampf, dass sie 1892 als erste Frau Italiens zum Medizinstudium zugelassen wird. Dem Studium folgt die Arbeit am Krankenhaus und in der eigenen Praxis. 1896 vertritt Maria Montessori Italien auf einem internationalen Frauenkongress in Berlin und erregt mit ihrem Vortrag und engagiertem Auftreten großes Interesse. Über die Arbeit am Krankenhaus beginnt eine intensive Beschäftigung mit schwachsinnigen Kindern. Wie Itard und Seguin (franz. Ärzte) kommt sie zu der Überzeugung, dass deren Behandlung eher eine Frage der Pädagogik als der Medizin ist. Von da an besucht sie pädagogische Vorlesungen und erarbeitet sich alle Hauptwerke der Erziehungstheorie. Aus der Verbindung mit Dr. Guiseppe Montesano, Lebensgefährte und Mitarbeiter am Krankenhaus St. Giovanni geht 1898 ihr Sohn Mario Montessori hervor, den sie nicht selber aufzieht, aber 1912 zu sich nimmt. 1900 wird sie Direktorin eines Pädagogischen Instituts zur Ausbildung von Lehrern für behinderte Kinder. Sie entwickelt ihr didaktisches Material und hat erste sensationelle Erfolge. 1901 verlässt sie die Schule, an der Universität von Rom studiert sie Philosophie und macht anthropologische Untersuchungen. Sie ist entsetzt über die schlechten Verhältnisse an den Schulen. 1907 hat sie zum ersten Mal die Gelegenheit, gesunde Kinder nach ihrer Methode zu unterrichten: Das erste Kinderhaus in Rom wird eröffnet. Ab 1909 bildet sie Schüler(innen) in vielen nationalen und internationalen Ausbildungskursen aus. Ihr erstes Buch: "Il metodo della Pedagogia ..." deutsch: "Die Entdeckung des Kindes" erscheint. Ab 1910 widmet sie sich ganz der Ausarbeitung und Verbreitung ihrer Methode. Verträge, Kongresse, Lehrerausbildung, Gründungen von Montessori-Gesellschaften führen sie weit durch Europa bis in die USA. 1916 erscheint: "Die Schule des Kindes". Nach anfänglicher Nähe zu Mussolini kommt es 1934 zum Bruch. Maria Montessori trennt sich vom Regime und ihre Schulen werden geschlossen. In Deutschland werden ihre Bücher 1933 verbrannt und ihre Einrichtungen geschlossen. 1939 hält Maria Montessori einen Ausbildungskurs in Indien. Wegen Ausbruch des Krieges lebt sie im Exil in Indien. Ihr letztes Buch: "Der absorbierende Geist" entsteht dort. 1946 Rückkehr nach Holland. Maria Montessori wirkt mit bei der Neu-Etablierung ihrer Einrichtungen (Italien, Deutschland), erhält hohe Anerkennung ihrer Arbeit (Ehrendoktor, vorgeschlagen zum Friedensnobelpreis) und bildet unermüdlich weltweit Lehrer aus. 1952 plant sie noch eine Reise nach Ghana, stirbt aber vorher am 6. Mai in Nordwijk aan Zee/Holland. Maria Montessori tritt uns aus ihren Schriften und in Beschreibungen von Zeitzeugen als eigensinnig selbstdenkende und selbstbewusste Frau entgegen; voll klarer Beobachtungsgabe und geleitet von tiefer innerer Spiritualität. Ihr Mut und ihre zähe, intelligente Arbeit haben immer noch weitreichende Bedeutung für die Erziehungswissenschaften und ihr Werk wird weltweit in vielen Einrichtungen fortgesetzt. "...Doch nur wer liebt, ist ein wirklich Sehender, und nur er kann die zarten Offenbarungen des Kindes sehen, und verstehen, und vor ihm wird ein Kind seine wahre Natur zeigen können. Bei allen modernen Pädagogen sehen wir die Absicht, aus dem Kind etwas hervorzuholen. Man will kindliche Eigenschaften wecken durch eine Art Freiheit oder durch Anregung zu spontanen Äußerungen. Glaubt man wirklich, dass ein Erwachsener diese kindlichen Eigenschaften zutage fördern kann? Durch alle Mittel, die man heute anwendet, stellt man dem Kinde nur neue Hindernisse entgegen und überwältigt es. Kein Erwachsener kann ein Kind zu den Äußerungen seines tiefsten Wesens bringen. Ein Kind kann sich nur äußern, wenn eine Position der Ruhe, der Freiheit und Ungestörtheit gegeben ist, die nicht durch den Erwachsenen beeinträchtigt wird. Die Möglichkeit, den Geist des Kindes und seine vollkommensten Eigenschaften zu heben, ist nur dann gegeben, wenn die äußeren Bedingungen die kindliche Arbeit zulassen und wenn man die Mittel zur Übung gibt. Dann muss der Erwachsene auf Äußerungen warten und darf sie nicht durch direkte Handlungen hervorholen wollen. Erst wenn das Kind etwas in sich entwickelt hat, kann es sich ausdrücken..." Aus: Maria Montessori "Grundlagen meiner Pädagogik"
Einfach zum Reinlesen Eine kleine Auswahl an Sekundärliteratur über Maria Montessori und ihre Pädagogik - für Einsteiger und solche, die es werden wollen: Berg, Horst Klaus: Maria Montessori – Mit Kindern das Leben suchen. Antworten auf aktuelle pädagogische Fragen, Freiburg 2002 Esser, Barbara / Wilde, Christiane: Montessori-Schulen, Reinbek bei Hamburg 1989 Hammerer/Haberl (Hg): Montessori-Pädagogik heute, Verlag Jugend & Volk, Wien 2004 Heiland, Helmut: Maria Montessori - mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten dargestellt, Reinbek bei Hamburg, 1991 rororo TB-Reihe „Monographien“ Hebenstreit, Sigurd: Maria Montessori. Eine Einführung in ihr Leben und Werk, Freiburg 1999 Katein, Werner (Hg): Maria Montessori, die Grundlagen ihrer Pädagogik und Möglichkeiten der Übertragung in Schulen, Langenau – Ulm 1992 Ludwig, Harald (Hg.): Erziehen mit Maria Montessori – Ein reformpädagogisches Konzept in der Praxis, Freiburg 1997, 5. Aufl. 2003
Schriften von Maria Montessori: Maria Montessori: Das kreative Kind Maria Montessori: Kinder sind anders, Klett-Cotta 1987 Maria Montessori: Die Entdeckung des Kindes, Herder Verlag 1969/89 Maria Montessori: Schule des Kindes Maria Montessori, Herausg. Christian Meiser: Ausgewählte Texte, Goldmann 1990 Maria Montessori: Spannungsfeld Kind und Gesellschaft Maria Montessori: Erziehung zum Menschen, Fischer 1991 Weitere Buchtipps finden sich unter Literatur/Linkliste.
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