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Montessorischule Passau
Grund-, Haupt und Fachoberschule
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Tel. 0851 75 30 92
Fax 0851 75 30 99
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Das pädagogische Konzept im Detail PDF Drucken E-Mail

Das pädagogische Konzept der Montessori-Schule - wie oben in Kurzform beschrieben - beruht auf den Leitlinien von Maria Montessori. Das ausführliche Konzept erläutert die Zielvorstellungen und die Aufgaben der Motessori-Schule und geht detailliert auf deren pädagogische Umsetzung ein. Denn die Montessori-Pädagogik unterscheidet sich weitreichend von den Lehrmethoden an Regelschulen. Stichworte wie Vorbereitete Umgebung, Unterrichtsmaterial,  und Jahrgangsmischung werden neben anderen Themen im Folgenden vorgestellt. 

 

1. Zielvorstellungen und Aufgaben der Montessori -Schule

2. Pädagogisch – methodische Umsetzung

 

1. Zielvorstellung und Aufgaben der Montessori-Schule

Anthropologische Grundlagen

Maria Montessori sieht den Menschen ganzheitlich als Einheit von Körper, Seele und Geist. Sie misst der Kindheit große Bedeutung bei und sieht sie als Lebensabschnitt, der seinen Wert in sich hat. Maria Montessori geht davon aus, dass sich das Kind auf Grund seiner natürlichen Anlagen in einer "Vorbereiteten Umgebung" individuell entwickelt.

In dieser Entwicklung zeigen sich Phasen besonderer Sensibilität, in denen das Kind offen wird, sich Neuem zuzuwenden, sich damit auseinander zu setzen und es zu verarbeiten.

Da der Mensch nicht mit vorherbestimmten Verhaltensmustern geboren wird, sondern mit der Fähigkeit, derartige Muster im Verlauf seiner Jugend erst auszubilden, spielt nach Maria Montessori Erziehung eine unerlässliche Rolle. Die Erwachsenen als Teil der Umgebung sind die wichtigste Quelle von Information und Führung für das Kind. Dabei ist aber das ganze unbewusste Streben des Kindes auf Loslösung und Unabhängigkeit vom Erwachsenen gerichtet.

Durch Eigentätigkeit, aktiven Umgang und Auseinandersetzung mit seiner Umwelt erlangt das Kind Selbstständigkeit und wird zur freien und unabhängigen Persönlichkeit. Es wird zu einem Menschen, der, sich seiner eigenen Fähigkeiten und Grenzen bewusst, seinen Lebensraum gestaltet, zum Nutzen der Erde und der Menschen.

 

Die Aufgaben der Montessori-Schule, Bildungs- und Erziehungsziele

Die Montessori-Schule Passau orientiert sich an den obersten Bildungs- und Erziehungszielen für bayerische Schulen auf der Grundlage des Artikels 131, der Verfassung des Freistaates Bayern und des Art. I BayEUG.

Sie verwirklicht den Auftrag der Grundschule dabei auf dem Hintergrund einer Sichtweise des Kindes, das nach Maria Montessori eine angeborene Aktivität besitzt, die seine geistige, seelische und leibliche Entwicklung vorwärts treibt. Weg und Motor dieser individuellen Entwicklung ist das Einlassen auf eine konzentrierte Auseinandersetzung mit den Dingen und Personen der Umgebung (Polarisation der Aufmerksamkeit).

Die grundlegende Aufgabe unserer Montessori-Schule besteht deshalb darin, diese konzentrierte Arbeit jedem Kind zu ermöglichen. Damit leistet sie Hilfe zum Aufbau der Persönlichkeit der ihr anvertrauten Kinder.

In der Hauptschule wird diese entwickelte Persönlichkeit durch zunehmend eigen- verantwortliche Tätigkeit, durch Orientierungsmöglichkeiten innerhalb der Kultur- Freizeit- und Arbeitswelt sowie der sinnvollen Nutzung des Medienangebotes, zur Selbstständigkeit und Mündigkeit geführt.

 

Auftrag der Grundschule: Lernbereiche und Lernziele

Die Lernbereiche und Lernziele orientieren sich an dem Amtlichen Lehrplan für die Grundschule in Bayern.

In den Lernbereichen der Montessori-Schule finden sich die Lernbereiche der Regel-Grundschule wieder:

Dies sind deutsche Sprache, Mathematik, Heimat- und Sachkunde, Musik- und Bewegungs- erziehung, Kunsterziehung, Textilarbeit, Werken, Sport, Religion.

Darüber hinaus messen wir der kosmischen Erziehung, dem Sinnesmaterial und den Übungen des täglichen Lebens einen besonderen Stellenwert bei.

 

Auftrag der Hauptschule: Lernbereiche und Lernziele

In den Lernbereichen der Montessori-Schule finden sich die Lernbereiche der Regel-Hauptschule wieder:

Dies sind Religionslehre, Deutsch, Mathematik, Englisch, Physik/Chemie/ Biologie, Geschichte/Sozialkunde/Erdkunde, Sport, Musik, Kunsterziehung, Arbeitslehre, Werken/Textiles Gestalten, Werken/Technisches Zeichnen, Textverarbeitung/Bürotechnik, Ernährung/Haushalt/Sozialpflege, Informatik, Kurzschrift.

Darüber hinaus messen wir der kosmischen Erziehung, dem Sinnesmaterial und den Übungen des täglichen Lebens einen besonderen Stellenwert bei.

 

Kosmische Erziehung

Kosmische Erziehung erschöpft sich nicht in der Behandlung von Heimat- und Sach- kundethemen, sondern ist ein Teil des gesamten schulischen Geschehens, Grundhaltung einer ganzheitlichen Erziehung.

Kosmische Erziehung bedeutet Anleitung zur Auseinandersetzung mit der Umwelt (=Weltall, Erde, kindliche Umgebung, Pflanzen und Tierwelt u.a.). Dem Kind soll eine Vorstellung von dem Zusammenspiel der Natur und dem Menschen vermittelt werden. Kosmische Erziehung geht vom Ganzen ( dem Kosmos, der Weltordnung) aus und bindet das Kind entsprechend seiner Entwicklungsphasen in dieses System ein. Das Kind erhält zuerst eine Übersicht, ein Ordnungsschema: beim Studium der Einzelheiten bleibt so immer das Ganze sichtbar. Das Kind erhält eine "Vision vom Ganzen".

Ziel der Kosmischen Erziehung ist es, ein verantwortlicher Weltbürger zu werden, der sich seiner Stellung und Verantwortung im Kosmos bewusst ist und all seine Kraft dafür einsetzt, unsere Welt lebensfähig, human und lebenswert zu gestalten.

 

2. Pädagogisch – methodische Umsetzung

 

Stellenwert und Umfang der Freiarbeit

Jeder Unterrichtstag beginnt an unserer Schule nach Möglichkeit mit Freiarbeit. Freiarbeit – verstanden als "Freie Wahl der Arbeit" – ist die zentrale Unterrichtsform in der Montessori-Schule Passau.

Zu dieser Unterrichtsform gehören:

  • Freiheit der Bewegung in einer "Vorbereiteten Umgebung"
  • Freiheit des Interesses und der Wahl der Gegenstände
  • Freiheit der Zeit, d.h. der Dauer von Konzentrationsvorgängen (="relative Zeitfreiheit") innerhalb der Freiarbeitszeit
  • Freiheit der Kooperation ( = Aussuchen der Sozialform:

alleine – mit einem Partner – in einer Gruppe arbeiten)

  • Freiheit der Wahl des Bildungsniveaus, d.h. freie Zuordnung

zu Lerngruppen verschiedenen Alters

Der Bereich der Bewegungserziehung erfährt in der Montessori-Schule eine eigene umfassende Bedeutung.

Zielgerichtete Bewegung im Raum und handelndes Arbeiten mit Material schult

nicht nur die Grob- und Feinmotorik, sie befriedigt und lenkt gleichermaßen den Bewegungsdrang des Kindes und koordiniert Geist und Bewegung.

In den Stilleübungen werden die Kinder aufmerksam auf ihre Bewegungen und ihr Gleichgewicht.

Ihr Körperbewusstsein wird weiterentwickelt. Durch das äußere Stillewerden gelangen sie zu einer inneren Stille. Sie werden tiefer befähigt, sich auf das Material zu konzentrieren. Sie hören und verstehen besser, was der andere mitteilen will, was in seiner Stimme und Mimik an feinen Ausdruckssignalen mitschwingt.

Die Freiarbeit bietet durch ihre Möglichkeiten zu selbstständiger Entscheidung und natürlichem Umgang mit Mitschülern und Lehrkräften fortwährend Gelegenheit zu sozialem Lernen.

Die freie Arbeitswahl gibt jedem Kind die Chance, den gewählten Unterrichtsstoff so ausgiebig zu bearbeiten, wie es für seine Entwicklung wichtig ist.

Der Umfang der Freiarbeitszeit an der Montessori-Schule hängt ab von:

  1. der Lerngruppe
  2. der "Vorbereiteten Umgebung"

zu a)

Je nach Vorerfahrungen der Kinder mit der Unterrichtsform der "freien Wahl" wird der Lehrer den zeitlichen Umfang der Freiarbeit festlegen.

Kinder, die z.B. ein Montessori-Kinderhaus besucht haben, zeigen schon ein hohes Maß an Selbstständigkeit bei der Organisation und Lösung ihrer Arbeitsprobleme. Da sie vertraut sind mit Unterrichtsform und Unterrichtsmaterial, werden sie sich schneller in der Freiarbeit zurechtfinden als Kinder, die diese Vorerfahrungen nicht haben.

Es ist jedoch wichtig für das Einleben in diese Unterrichtsform, dass an jedem Tag "Phasen der Freiarbeit" (mindestens 2 Stunden) eingeplant werden.

zu b)

Da diese "Vorbereitete Umgebung" aufgebaut wird und nach und nach wächst, muss der Lehrer den Umfang der Freiarbeit dieser Umgebung anpassen, bzw. dem Kind das Material zur Verfügung stellen, das ihm ermöglicht, die Freiarbeit für sich auch entsprechend nutzen zu können, ohne dass es über- oder unterfordert wird.

 

Die "Vorbereitete Umgebung"

Freiarbeit nach Maria Montessori setzt ein gut durchdachtes, strukturiertes Materialangebot in einer "Vorbereiteten Umgebung" voraus.

 

Das Klassenzimmer

Das Klassenzimmer mit einer freundlichen Atmosphäre ist der Raum, in dem sich das schulische Zusammenleben vorwiegend abspielt.

Er ist der ganz persönliche Raum einer Gruppe von Kindern und ihrer Lehrkräfte.

Mit zunehmenden Lerninhalten kommen entsprechende Fachräume hinzu.

Das Klassenzimmer wird gegliedert, es bilden sich verschiedene Arbeitsbereiche und Ecken.

Dadurch wird der Raum überschaubar und ermöglicht den Kindern, in Ruhe alleine zu arbeiten, sich in Gruppen zu betätigen oder, wenn nötig, sich zurückzuziehen.

In offenen Regalen wird das Material zugänglich und übersichtlich geordnet angeboten.

Bereiche außerhalb des Klassenzimmers können miteinbezogen werden.

 

Das Unterrichtsmaterial

Die Lernumgebung, in der sich das Kind wohl fühlen und selbstständig lernen kann, soll in unserer Montessori-Schule vielfältig, anregend, sachlich strukturiert und damit für das Kind durchschaubar gestaltet werden.

Kernstück diese "Vorbereiteten Umgebung" sind die so genannten Montessori- Materialien.

Merkmale jedes einzelnen Materials:

  1. es ist ästhetisch, um das Kind auch anzusprechen
  2. es isoliert Schwierigkeiten und begrenzt sich auf immer nur einen weiteren Abstraktionsschritt
  3. es gibt Möglichkeit zur Eigenaktivität mit unbegrenzter Wiederholung, damit das Kind seine eigene Lernstruktur finden kann
  4. es enthält die Möglichkeit der Selbstkontrolle

Sie werden ergänzt durch andere, dem Lernstoff der Grund- und Hauptschule entsprechende didaktische "Selbstbildungs-Materialien". In der Hauptschule kommen auch abstraktere Materialien zum Einsatz.

Bei der Auswahl der Zusatzmaterialien wird darauf geachtet, dass sie in Intention und Eigenschaften den Montessori-Materialien genügen.

 

Die neue Rolle des Erziehers: Lehrer/Innen und päd. Mitarbeiter/Innen

Der Lehrer an der Montessori-Schule versteht sich als Helfer von selbsttätig lernenden Kinder, die mit seiner Unterstützung ohne Angst ihren Lernweg gestalten.

Dabei behält der/die LehrerIn die Ziele der Erziehung und des Unterrichts an der Montessori-Schule im Auge, um Mittel und Wege zu finden, die dem Kind das Erreichen dieser Ziele ermöglichen gemäß dem Grundsatz Maria Montessoris:

"Hilf mir, es selbst zu tun."

Der Lehrer überdenkt seine Einstellung zum Kind, zu dessen Entwicklungsgesetzen und zu seiner eigenen Rolle im Erziehungs- und Unterrichtsgeschehen und passt sie immer wieder neu der Situation und den Bedürfnissen der Kinder an. Bei der Gestaltung der Schul-Umgebung wird der Lehrer sowohl die Interessen der einzelnen Kinder als auch den Bezug zum Grund- und Hauptschullehrplan berücksichtigen.

Es genügt nicht, eine didaktisch gut vorbereitete, ordentliche, der kindlichen Aktivität angepasste Umgebung zu schaffen, um sie dann den Kindern einfach zu

überlassen. Der Lehrer achtet auf die Einhaltung bestimmter Regeln und Ordnungen, auf friedliches Arbeiten und bringt das Kind zu den Gegenständen ("Lektionen").

Die wichtigste Aufgabe des Lehrers ist es zu beobachten.

Maria Montessori fordert den Lehrer dazu auf, darauf zu achten, dass die Schüler mit dem Material sachgerecht umgehen, weil sie nur dann die den Materialien innewohnenden Strukturen und Regeln erkennen können. Nur so werden die didaktischen Materialien zu "Selbstbildungsgegenständen", die die direkte Unterweisung durch den Lehrer ersetzen können.

Wichtigster Grundsatz ist, die Arbeit eines jeden Kindes vor Störungen zu schützen. Die Freiheit des einzelnen Kindes hört da auf, wo es die Freiheit des anderen beschneidet.

"Soziale Disziplin äußert sich in zweifacher Weise: Als Achtung vor der Arbeit des anderen und als Rücksicht auf das Recht des anderen." (M. Montessori)

Auch der Lehrer selbst muss sich vollkommen zurückhalten, denn auch aufmunternde oder lobende Worte können das Kind aus seiner konzentrierten Arbeit herausreißen.

"Sobald die Konzentration beginnt, muss er tun, als ob das Kind nicht existierte. Er kann natürlich schauen, was das Kind tut, aber mit einem schnellen Blick, ohne dass er es merken lässt." (M. Monterssori, Das kreative Kind)

Wenn das Kind einen Arbeitszyklus beendet hat, wendet es sich wieder den anderen Kindern oder dem Lehrer zu. Es sucht oft Bestätigung. Dies ist der Augenblick, wo Lob und Zustimmung auch nach Maria Montessori angebracht sind:

"Wenn das Kind in seiner intelligenten Tätigkeit etwas vollbracht hat, geht es zur Lehrerin und möchte, dass diese ihm sagt, ob es seine Arbeit gut gemacht hat. Das Kind geht nicht fragen, was es tun soll und wie es etwas tun soll und verteidigt sich gegen jede Hilfe. Die Wahl und die Ausführung sind Vorteile und Errungenschaften der eigenen Person. Aber wenn die Arbeit getan ist, verlangt das Kind nach Bestätigung durch seine Lehrerin." (M. Montessori)

 

Die Rolle der Eltern/Elternarbeit

Montessori -Pädagogik ist nur vorstellbar, wenn die Arbeit der Lehrkräfte auch von den Eltern mitgetragen wird. So beginnt deren Verantwortlichkeit bereits zu Hause bei der Erziehung ihrer Kinder. Eine intensive Auseinandersetzung mit der Pädagogik, wie das Lesen entsprechender Bücher, das Besuchen von Vorträgen und Informationsangeboten sowie – idealerweise – das Absolvieren von Montessori- Kursen, wird erwartet.

Die Eltern werden als Begleiter in die Entwicklungs- und Lernprozesse mit einbezogen. In regelmäßigen Einzelgesprächen werden von Lehrern und Eltern notwendige Hilfestellungen, Fördermaßnahmen, aber auch Verständnis für entwicklungsspezifische Probleme erarbeitet. Durch die Beteiligung an den monatlich verpflichtenden Elternabenden können die Eltern Erfahrungen austauschen. Über Hospitationen werden die Eltern in den Wahrnehmungsprozess mit eingebunden. In der gesamten Freiarbeitszeit können sie hospitieren. Außerdem sind sie eingeladen, durch aktive Beiträge die Wissens- und Könnensfelder der Jugendlichen zu erweitern und bei der Erarbeitung von Projekten und Materialien behilflich zu sein.

Unser pädagogisches Konzept kann nur dann sinnvoll umgesetzt werden, wenn die Eltern diese Pädagogik auch zu Hause mittragen und mitgestalten.

 

Der Gebundene Unterricht

In der Montessori-Schule werden die Lehrplaninhalte der Fächer Deutsch, Mathematik und Heimat und Sachkunde bzw. Englisch, Physik/Chemie/Biologie,

Geschichte/Sozialkunde/Erdkunde weitgehend so aufbereitet, dass sie von den Schülern während der Freiarbeit selbstständig bearbeitet werden können.

Es bleiben aber noch Inhalte, die einen Gebundenen Unterricht erforderlich machen:

Zum Beispiel: - Einführung in ein neues Sachkundethema

- Vorlesen und Besprechen von Geschichten oder Gedichten

- Kreisgespräche mit diversen Themen

- gemeinsames Musizieren

- Vorbereiten von Lerngängen oder Projekten

- Einüben von Theaterstücken oder Tänzen

Der Gebundene Unterricht ist also gebunden an Fach, Lernstoff, Arbeitsmittel, Sitzordnung, Zeit und Lehrkraft.

In dieser Zeit werden die Themen entweder vom ganzen Klassenverband oder von verschiedenen Lerngruppen gemeinsam behandelt, wobei der Lehrer auch hier Formen der inneren Differenzierung anstrebt, um dem unterschiedlichen Leistungsstand der Kinder gerecht zu werden.

Gebundener Unterricht und Freiarbeit können miteinander verknüpft werden. Der Ausgangspunkt kann dabei sowohl in der Freiarbeit als auch im Gebundenen Unterricht liegen. Es werden zum Beispiel im Gebundenen Unterricht Themen und Arbeitsweisen eingeführt, die dann in der Freiarbeit vertieft und erweitert werden können.

Umfang und zeitliches Ausmaß des Gebundenen Unterrichts werden von den jeweiligen Lehrkräften festgelegt.

(siehe 2.1. Stellenwert und Umfang der Freiarbeit)

 

Der Fachunterricht

Fachunterricht findet in folgenden Fächern statt:

Religion, Ethik, Textilarbeit/Werken; Musik, Kunst und Sport.

Er wird zum Teil von den Klassenlehrer/Innen und von Fachlehrer/Innen gehalten und erweitert sich in der Hauptschule um Informatik, gewerblich technischer Bereich, hauswirtschaftl. sozialer Bereich, Technisches Zeichnen/Werken.

Auch diese Fächer beachten die Grundlagen von Maria Montessoris Pädagogik, um dadurch die Entwicklung der emotionalen Kräfte, die Entfaltung der schöpferischen Fähigkeiten und soziales, ganzheitliches Lernen zu ermöglichen.

Der Fachunterricht orientiert sich am Lehrplan nach folgenden Prinzipien:

  • themenzentriertes bzw. von der Lehrkraft geleitetes Arbeiten

(z.B. in Religion: Darbietung einer biblischen Geschichte

in Werken: Einführung in die Laubsägearbeit

im kaufmännisch – bürotechnischen Bereich: Einführung in die

Zehn-Finger-Tastenschreibweise)

  • fachgebundenes freies Arbeiten:

(in Werken: freie Wahl zwischen Themenbereichen und Techniken wie

z.B. Ton oder Holz

in Informatik: freie Wahl aus verschiedenen Lernprogrammen)

  • fachübergreifendes Arbeiten, dort wo es sich anbietet
  • jahrgangsübergreifende Projektarbeit:

ein Thema kann unter verschiedenen Aspekten (religiös, handwerklich, kulinarisch, experimentell, geographisch etc.) erfahren werden.

(z.B. Wasserprojekt)

Die Anzahl der Fachunterrichtsstunden ist abhängig von der Zuteilung der Regierung und muss eingebettet werden in den organisatorischen Ablauf des Montessori-Alltags.

 

Projektarbeit

Die Projektarbeit ist im Sinne einer ganzheitlichen, kosmischen Erziehung eine notwendige Unterrichtsform der Montessori-Schule.

Projekte sind handlungs-, prozess- und produktorientiert und somit an ein Thema gebunden. Themen können von Schülern (z.B. aus der Freiarbeit resultierend) und Lehrern initiiert werden, auch Eltern können Vorschläge einbringen.

Bei Planung und Ausführung von Projekten sind die Kinder aktiv beteiligt. Sie können dadurch ihre Wünsche, Bedürfnisse und Interessen einbringen und den Prozess verändern oder erweitern.

Themenbereiche werden nach vielen Richtungen hin untersucht und bearbeitet. Es können Materialien gesammelt, Informationen eingeholt, Experimente durchgeführt, Ergebnisse zusammengestellt, Schaubilder angefertigt, Vorgänge beobachtet werden usw.

Projekte sind meist fächerübergreifend und bieten damit dem Schüler die Möglichkeit, sich seinen Interessen und seinem Leistungsstand nach zu beteiligen.

Neben Planungstechniken (z.B. Erstellen eines Zeitplans für eine Aktion – wer macht was, wann, wo und wie?) und Darstellungs- bzw. Dokumentationstechniken (z.B. Fotowände, Plakate, Infoblätter, Berichte, Klassenzeitung, Rollenspiel, Ausstellung usw.) werden Techniken der Informationsgewinnung bedeutsam (z.B. Erstellen eines Fragebogens, Interview, Einholen einer Auskunft über Brief oder Telefon, Fotografieren, Verwenden von Nachschlagewerken bzw. Sachbüchern, Hinzuziehen von Fachleuten, Unterrichtsgänge usw.).

Die in der Projektarbeit enthaltenen verschiedenen Arbeitsweisen wie z.B. Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit fördern Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit. Somit werden die Schüler schrittweise zu einer größeren Selbstbestimmung und Selbstorganisation geführt.

Die Arbeitsergebnisse werden zum Abschluss eines Projekts der eigenen Klasse, anderen Klassen, den Eltern oder der gesamten Schule vorgestellt. Projekte können von einzelnen Schülergruppen, einer ganzen Klasse, klassen- oder schulübergreifend durchgeführt werden.

Sie sind variabel im Zeitaufwand, d.h. sie können von einem Tag über eine bis mehrere Wochen bis zu einem Schuljahr andauern.

 

Jahrgangsmischung

Die von Maria Montessori konzipierte Jahrgangsmischung, die den Entwicklungsphasen des Kindes entspricht, ist an unserer Schule verwirklicht. Die Klassen 1-3, 4-6 und 7-10 sind gemischt, d. h. dass in den einzelnen Klassen drei Jahrgänge etwa zu gleichen Teilen vertreten sind

Wissenschaftliche Erkenntnisse und schulpraktische Erfahrungen sprechen eindeutig für die Einführung der Jahrgangsmischung an Montessori-Schulen unter zwei Aspekten:

Wissenserwerb

  • jüngere Schüler werden von älteren Schülern inspiriert
  • jüngere Schüler sehen ihre Grenzen; die Fähigkeit zur Selbsteinschätzung wird gefördert
  • ältere Schüler vertiefen den Lernstoff durch erneutes Erklären an die jüngeren Schüler
  • Lernprozesse werden beschleunigt: Kinder sind sich in ihrem geistigen Entwicklungsstand näher als ein Erwachsener und können deshalb besser von einander lernen
  • längeres Verharren bzw. schnelleres Vorangehen im Lehrstoff ist leichter möglich, weil die Bedeutung des Jahrgangsstoffes zurück tritt. "Nicht allen das Gleiche, sondern Jedem das Seine."
  • Übernahme von Arbeitstechniken wird erleichtert, weil die Kinder schon bestehende Strukturen vorfinden

Soziales Lernen

  • gegenseitiges Helfen und Tolerieren wird gefördert
  • im Umgang mit Kindern verschiedenen Alters können allgemein mehr Erfahrungen gesammelt werden. Diese Form des Miteinanders ist ein natürliches Entwicklungsangebot und ein wertvolles Gegengewicht gegen den "Einzelkindegoismus" unserer Zeit
  • Konkurrenzdenken wird weniger wichtig, weil die "Rollen" (der/die Große, Kleine, Erfahrene, Schwache usw.) klarer verteilt sind
  • Spektrum der "Rollenangebote", die von dem Einzelnen durchlebt werden können, ist größer

Diese Erfahrungen in jahrgangsgemischten Gruppen fördern die Entwicklung eines gesunden und stabilen Selbstwertgefühls.

 

Hausaufgaben

Die Montessori-Pädagogik ermöglicht dem Kind, innerhalb eines bestimmten Rahmens Lerngegenstand und Lerntempo selbst zu bestimmen.

Hausaufgaben geben dem Kind die Möglichkeit, Arbeiten zu übernehmen und verantwortlich auszuführen. Darüberhinaus sind sie eine Hilfe, das Gelernte zu üben und weiter zu vertiefen.

Hausaufgaben sind z. B:

  • Übernahme von praktischen Aufgaben wie Sammeln von Materialien
  • Mitbringen von Unterrichtsmaterialien
  • Pflege der Arbeitsgeräte
  • Fertigstellen von begonnenen Arbeiten
  • Lernen von Einmaleinsreihen oder Vokabeln
  • Lesen von Texten

Das Kind kann sich selbst eine Aufgabe stellen oder den Lehrer, darum bitten. Ebenso kann der Lehrer das Kind an ihm gemäße Aufgaben heranführen.

Ziel jeder Hausaufgabe soll es sein, den Kindern zu helfen, den eigenen Leistungsstand selbst einzuschätzen. Wenn dem Kind diese Selbsteinschätzung noch fehlt, hat die Lehrkraft die Möglichkeit gezielt verpflichtende Hausaufgaben zu geben. Diese Aufgaben werden dem momentanen Entwicklungs- und Wissensstand des Kindes angepasst.

Die Erledigung der Hausaufgaben muss ohne Hilfe der Eltern möglich sein. Ihre Pflicht ist es, um den notwendigen Rahmen (Ruhe, Zeit, Raum) und um eine gewissenhafte Erfüllung dieser Aufgaben besorgt zu sein.

 

Leistungsmessung und –dokumentation

Das Kind leistet, indem es arbeitet. Aus dieser Überzeugung leitet sich unserer Auffassung von Leistung ab: Leistung, die aus dem Kind kommt und dynamisch ist, dient der Persönlichkeitsentfaltung.

Es ist selbstverständlich, dass Kinder in der Schule etwas lernen wollen und können.

Kinder kommen mit unterschiedlichen Voraussetzungen in die Schule und sollen nun ihre Fähigkeiten in entspannter Umgebung entfalten können.

Die erbrachte Leistung wird in erster Linie am jeweiligen Kind selbst gemessen.

Die individuelle Leistung stellen die Lehrkräfte durch intensive, tägliche Beobachtung fest. Diese Beobachtungen werden notiert, mit den Eltern und Kindern besprochen und durch Beobachtungsbögen, Wortgutachten sowie Teilnahmebestätigungen dokumentiert.

Diese Dokumentationen werden zum Ende jeden Halbjahres den Schülern ausgehändigt; die genauen Termine werden zu Beginn des Schuljahres von der Schule festgelegt und bekannt gegeben.

 

Schullaufbahn

Die Schulzeit an der Montessori-Schule Passau umfaßt zehn Schuljahre.

Sie bietet somit die Möglichkeit, die Pflichtschulzeit zu erfüllen oder einen mittleren Bildungsabschluss zu erlangen..

Unsere Schule führt zu folgenden Abschlüssen hin:

  1. Erfüllung der Schulpflicht
  2. erfolgreicher Hauptschulabschluss
  3. qualifizierender Hauptschulabschluss
  4. mittlerer Bildungsabschluss

Der qualifizierende Hauptschulabschluss und der mittlere Bildungsabschluss müssen in einer externen Prüfung an einer staatlichen, dazu berechtigten Schule abgelegt werden.

 

Möglichkeiten des Übertritts an weiterführende Schulen:

ab Ende der 4. Klasse jederzeit: Regelhauptschule

ab Ende der 4. Klasse : Gymnasium, Realschule

ab Ende der 5. Klasse : Gymnasium

ab Ende der 6. Klasse : Wirtschaftsschule

Für den Übertritt an weiterführende Schulen ist eine erfolgreiche externe Prüfung (Probeunterricht) Voraussetzung.

Kinder die von ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten dazu geeignet sind, an eine weiterführende Schule überzutreten, benötigen auf Grund der Aufnahmeprüfung eine gezielte Vorbereitung. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Eltern, Lehrer und Schüler ist unerlässlich.

Die Schule stellt zur Vorbereitung Material, Raum und Zeit zur Verfügung.

Überweisung an eine Förderschule

Prüfungstermine und Aufnahmebedingungen in Absprache mit der aufzunehmenden Schule.

Das Überprüfungsverfahren muss von Eltern bzw. Eltern und Lehrer gemeinsam beantragt werden.

Auf Grund der Leistungsmessungen ist es möglich, zu erkennen, ob Leistungszeiträume einzelner Schüler verkürzt oder verlängert werden müssen.

(Auszugsweise Wiedergabe, der Gesamttext liegt in der Montessori Schule Passau aus!)

 

 

 

 
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