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| Montessori für zu Hause |
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Viele Erziehungsmethoden bieten den idealen Weg und überzeugende Ideen in der Theorie, zeigen jedoch nur selten, wie das Ganze in der Praxis umsetzen lässt. Auch die Montessori-Pädagogik beschreibt ausführlich, wie wir Erwachsenen sein sollten und was zu tun ist. Doch wie wird man geduldiger, einfühlsamer und hat mehr Zeit für die Kinder, wenn die Erfordernisse des Alltags und die eigenen Erfahrungen ganz anders aussehen, als es die Theorie vorschreibt? In ihrem Buch „Montessori für zu Hause“ gibt Claudia Schäfer lebensnahe Erklärungen und stets praktisch gehaltene Tipps, wie wir die Montessori-Pädagogik auch zu Hause gemeinsam mit unseren Kindern umsetzen können. Ordnung ist das halbe LebenOrdnung stellt in der Montessori-Erziehung einen besonders wichtigen Aspekt dar. Schon Einjährige drücken ihr Bedürfnis nach Ordnung aus. Denn es ist (nicht nur) für kleine Kinder wichtig, dass ihre Umwelt geordnet ist und alle Gegenstände ihren festen Platz haben. Diese äußere Ordnung hilft den Kindern, ihre Welt besser zu verstehen und sich selbst und ihre Erfahrungen darin im wahrsten Sinne des Wortes einzuordnen. Je regelmäßiger die Welt eines Kindes geordnet ist, desto leichter lässt sich das Kind auf Veränderungen ein. Es lernt, dass es seine eigene Umwelt aktiv mit gestalten kann. Regeln sind eine sehr wichtige Form der äußeren Ordnung. Sie gestalten das Zusammenleben und bieten den Kindern Verlässlichkeit. Auch wenn es für manche Kinder zunächst nicht leicht sein mag, sich an die (Spiel-)Regeln zu halten, so verhelfen ihnen diese doch zu einer inneren Ordnung und damit zu einer besseren Orientierung. Ordnung ist dabei aber keineswegs nur methodisch zu verstehen, sondern durchaus auch im Sinne von Aufräumen und Ordnung halten – etwas das auch kleine Kinder – in gewissen Massen – verstehen und einhalten können. Im Sinne des Montessori-Konzepts stärkt Ordnung die kognitiven Fähigkeiten der Kinder sowie ihre emotionale Kreativität. D.h. jedoch nicht, dass wir unsere Kinder zur täglichen Ordnung zwingen sollten. Claudia Schäfer meint: „Statt Zwängen, Belohnungen und Bestrafungen bieten neben der Ordnung genügend Zeit, Freiheit und sinnvolle Grenzen wichtige Hilfestellungen für Kinder.“ Alles hat seine ZeitJeder Entwicklungsschritt hat seine bestimmte Zeit – und diese kann sogar noch bei jedem Kind ganz unterschiedlich ausfallen. Daher ist es besonders wichtig, dass wir Eltern unseren Kindern Hilfestellung und vor allem genügend Zeit geben, damit sie in ihrem eigenen Tempo ihre neuen Fähigkeiten ausprobieren und einüben können. Das heißt auch, dass Zeit sein muss, um Fehler machen zu dürfen. In unserer schnelllebigen Zeit ist es allerdings gar nicht so einfach, den Kindern immer die Zeit zu geben, die sie brauchen. Wenn es morgens wieder schnell gehen muss, weil wir zur Arbeit müssen oder ein wichtiger Termin ansteht, müssen wir den Kindern ein anderes, verlässliches Zeitfenster bieten, um ihre „Arbeit“ fortführen zu können. Wir müssen nicht unsere ganze Zeit mit unseren Kindern, verbringen. Kinder brauchen im Gegenteil sogar genügend Zeit, um auch ohne uns Eltern aktiv zu werden. Gemeint ist, dass wir unseren Kindern für einige Zeit am Tag unsere ungeteilte Aufmerksamkeit schenken. Freiheit ohne Grenzen ist keine FreiheitEin gängiges Vorurteil gegenüber dem Montessori-Konzept lautet, dass die Kinder tun und lassen dürfen, was sie wollen. Dem ist natürlich nicht so: Gemeint ist, den Kindern Zeit zu lassen, so zu sein, wie sie sind, und ihnen die nötige Freiheit für ihre Entwicklung zu geben. Die Montessori-Methode ist sogar sehr diszipliniert und grenzenreich: Indem sie Kindern Grenzen setzt, bietet sie ihnen die Freiheit zur Selbstverwirklichung. Grenzen werden ihnen dabei hauptsächlich durch ihre Umgebung und nicht unbedingt durch die Worte der Erziehenden gesetzt. Durch ihre eigenen Erfahrungen erleben die Kinder, welchen Sinn die Regeln machen, und lernen die Grenzen ihrer Umgebung kennen: Bestimmte Gegenstände sind nur für bestimmte Funktionen gedacht. Es macht Sinn ruhig zu sein, wenn man selber ungestört sein will. Kindern lernen auch, sich abzugrenzen, sich als eigenständige Person zu erkennen. Im gleichen Maßen dürfen und sollten auch wir ihnen unsere persönlichen Grenzen zu verstehen geben. Das wird nicht immer ohne Schwierigkeiten und manchmal auch nicht ohne Tränen von statten gehen. Aber Erziehung heißt nicht, dass Kinder alles dürfen. Es heißt auch nicht, Grenzen auf Biegen und Brechen durchzusetzen. Kinder müssen – ebenso wie wir Erwachsenen – lernen, Schmerz, Enttäuschung und Frustration auszuhalten. Lernen im eigenen RhythmusFür die Erziehung müssen wir Eltern nach wie vor selber sorgen. Aber die Montessori-Pädagogik bietet uns Möglichkeiten und Techniken, die wir für unsere eigenen Zwecke und Vorstellungen nutzen können. Die Idee der Freiheit und des Lernens im eigenen Rhythmus klingt gut – aber wie soll man das eigene Kind dabei unterstützen, wenn man selbst im Regelfall bislang keine Erfahrungen mit dieser Methode gesammelt hat? Traut man sich wirklich, auf die natürlich angelegte Lernwilligkeit des Kindes zu vertrauen? Vor allem, wenn diese vielleicht bereits durch anderweitige Erfahrungen – sei es in Kindergarten, Regelschule oder durch persönliches Erleben – einen Dämpfer erhalten hat? Maria Montessoris Pädagogik verfolgt als Ziel den Mensch mit geordnetem Geist. Dennoch muss ausreichend Platz für die kindliche Fantasie und das kreative Chaos bleiben, mit der unsere Kinder neue Entdeckungen und Erfahrungen machen. Kein Kind kann sich den ganzen Tag konzentriert mit Montessori-Übungen beschäftigen. Manchmal ist es einfach Zeit, herumzuspringen, zu klettern, laut zu sein oder sich auszutoben. Dann sind eventuell andere Spielmöglichkeiten gefragt, daher sollten wir Eltern stets beobachten und den Kindern, geeignete Alternativen für ihre Ideen anbieten. Wichtig ist vor allem, dass „Das Kind in den Mittelpunkt stellen“ nicht heißt, nur noch das Kind und seine Bedürfnisse zu sehen und diese über die eigenen zu stellen. Kinder brauchen unsere ungeteilte Aufmerksamkeit, aber nicht die ganze Zeit und auch nicht den ganzen Tag. Im Gegenteil, Kinder brauchen gerade auch Zeit, in der sie selbständig und – von uns Erwachsenen ungestört – spielen und sich und ihre Fähigkeiten ausprobieren können. Sie brauchen dringend Grenzen und müssen erfahren, dass wir Erwachsene auch einmal etwas nicht wollen, nicht können oder später machen werden. Manche Kinder benötigen mehr Aufmerksamkeit und Zuspruch, andere weniger. Vor neuen oder in schwierigen Lebenssituationen steigt der Bedarf an Zuwendung sicher an. Aber im alltäglichen Leben sollte es reichen, die Umgebung der Kinder so zu gestalten, dass sie auch ohne unsere Hilfe und beständige Anleitung zurecht kommen. Unsere Kinder zeigen uns den WegFazit: Es lohnt sich auf jeden Fall, die Anregungen aus der Montessori-Pädagogik auch im eigenen Erziehungsalltag auszuprobieren. Vielleicht lässt sich nicht alles, sondern nur ausgewählte Teilaspekte auf die eigene Erziehung anwenden. Vielleicht führt die Beschäftigung mit der Montessori-Methode auch zu einem Perspektivwechsel in der eigenen Erziehung und neuen Techniken, die wir in den Familienalltag integrieren können. Vertrauen wir den Möglichkeiten, die in uns und unseren Kindern liegen! Jedes Kind ist von Natur aus neugierig und lernwillig und will seine Welt erfahren. Kinder können sich ganz selbstverständlich längere Zeit intensiv und konzentriert mit anregenden Materialen beschäftigen. Auch wir Eltern können zu Hause eine „vorbereitete Umgebung“ für die Kinder schaffen, wenn auch vielleicht mit anderen Materialen, einfach aus dem Hausgebrauch. Dazu gibt Claudia Schäfer in ihrem Buch zahlreiche interessante Anregungen und Spielvorschläge für Kinder verschiedener Altersgruppen, die sich ohne großen Aufwand zu Hause umsetzen lassen. Buchtipp: Claudia Schäfer. Montessori für zu Hause. Dtv, 2002 (in der Schulbücherei zur Ausleihe verfügbar). |



