Verantwortung übernehmen, Erinnerung lebendig halten
Am 19. Februar 2026 wurden in Passau zwei Stolpersteine verlegt – kleine Messingtafeln im Boden, über die man im übertragenen Sinn „stolpert“, weil sie uns innehalten lassen. Sie erinnern an Willi Heckmann, der wegen seiner Homosexualität acht Jahre in Konzentrationslagern interniert war, und an Adelgunde Dölzer, die im Rahmen des nationalsozialistischen „Euthanasie“-Programms in die Tötungsanstalt Schloss Hartheim deportiert und dort ermordet wurde.
Unsere Schule hat die Patenschaft für den Stolperstein von Adelgunde Dölzer übernommen, der in der Lederergasse verlegt wurde. Damit setzen wir ein bewusstes Zeichen: Erinnerung ist kein Blick zurück allein – sie ist ein Auftrag für die Gegenwart und die Zukunft.
Ein Mensch. Ein Leben. Eine Geschichte.
Initiiert wurde die Verlegung durch den Stadtjugendring Passau. Dessen Vorsitzender, Tobias Waldherr, eröffnete und beschloss die Gedenkveranstaltung. In seinen eindringlichen Worten machte er deutlich: Jeder einzelne Stolperstein trägt eine große Bedeutung. Er steht für einen Menschen, für ein Leben, für eine Geschichte, die nicht vergessen werden darf. Und er mahnt uns, dass solche Verbrechen „nie wieder“ geschehen dürfen.
Das Projekt der Stolpersteine geht auf den Künstler Gunter Demnig zurück, der die Steine auch persönlich verlegte. Mit ruhiger, konzentrierter Hand setzte er die Messingplatten ins Pflaster – ein stiller, aber kraftvoller Moment des Gedenkens.
Bewegende Worte und berührende Musik
Mehrere Mitglieder unserer Schulgemeinschaft nahmen an der Verlegung und der anschließenden Gedenkveranstaltung teil: die Vorstände Lisa Sterner und Bernd Sedlmayr, Lehrkräfte, pädagogische Mitarbeiterinnen sowie Schülerinnen und Schüler.
Die Reden waren ebenso informativ wie emotional. Klaus Stanjek erinnerte an das schwere Schicksal seines Onkels Willi Heckmann. Gabi Dölzer sprach bewegend über das Leben und das Leid ihrer Großmutter. Winfried Helm ordnete die Verbrechen historisch ein und berichtete eindrucksvoll über die systematische Ermordung von Menschen mit psychischen Erkrankungen und Behinderungen in der NS-Zeit.
Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung vom Akkordeonorchester Passau mit berührenden Musikstücken. Am Stolperstein für Adelgunde Dölzer spielte Jürgen Schwenkglenks auf der Gitarre – ein ruhiger Moment, der viele tief berührte.
Erinnerung als Teil unseres pädagogischen Auftrags
Im Vorfeld hatten sich Schülerinnen und Schüler unserer Oberstufe intensiv mit den Lebensgeschichten der beiden Opfer auseinandergesetzt. Sie gestalteten Stellwände zu ihren Biografien sowie zur Idee der Stolpersteine und besuchten den Dokumentarfilm „Klänge des Verschweigens“, der anschließend im Unterricht reflektiert wurde.
Für uns als Montessori-Schule ist diese Patenschaft mehr als ein symbolischer Akt. Sie entspricht unserem Selbstverständnis: Wir wollen junge Menschen dazu befähigen, Verantwortung zu übernehmen, sensibel für Unrecht zu sein und sich für Menschenwürde und Demokratie einzusetzen.
Die Stolpersteine holen die Namen zurück in unsere Straßen – mitten in unseren Alltag. Sie fordern uns auf, nicht zu vergessen. Und sie erinnern uns daran, dass hinter jedem Namen ein einzigartiges Leben steht.
Anna Waldherr